Oskar Theodor Kuntze – Plauens grüne Spuren

Ein prägender Stadtgestalter

Dass Plauen bis heute als grüne der Stadt gilt, ist eng mit Oskar Theodor Kuntze verbunden. Der erste Oberbürgermeister prägte das Stadtbild nachhaltig und setzte wichtige Impulse für die Entwicklung der Stadt.

Sein Wirken für Plauen

Von 1865 bis 1893 leitete Kuntze die Stadtverwaltung, ab 1882 als erster Oberbürgermeister. Er förderte nicht nur Verwaltung und Wirtschaft, sondern gründete auch die Kunstschule für Textilindustrie und engagierte sich für die Entwicklung des Vogtlands.
Besonders sichtbar ist sein Vermächtnis bis heute im Stadtgrün. Kuntze ließ Parks, Haine und stadtnahe Erholungsgebiete anlegen, die Plauen ein neues Gesicht gaben.

Grüne Orte bis heute

Zu den bis heute bekannten Anlagen zählen unter anderem der Stadtpark, der Preißelpöhl und der Stadtwald. Die Grundschule Kuntzehöhe, die Kuntzestraße, der Gedenkstein im Stadtwald (seit Jahren leider ohne die ursprüngliche Tafel - siehe Foto), eine Kleingartenanlage mit seinem Namen und anderes erinnern an den Mann, der Plauens grüne Entwicklung entscheidend geprägt hat.


August-Bebel-Hain


 

Der August-Bebel-Hain und seine Umgebung 


Entstehung und Entwicklung des August-Bebel-Hain (König-Albert-Hains)

Der frühere König-Albert-Hain ist älter als die Knielohanlage. Bereits im Jahr 1889 wurde der Steilhang, der sich vom Krankenhaus hinab zum Knielohbach erstreckt, mit 200 Bäumen bepflanzt, mit Wegen versehen und als Grünanlage ausgewiesen. Die „Kleine Chronik der Stadt Plauen“ aus dem Kommissionsverlag von Rud. Neupert jr. (1908) nennt den 3. Juni 1889 als Tag der feierlichen Einweihung des König-Albert-Haines. Ein Jahr später wird in der Fortsetzung der Chronik bis 1908 für den 8. Mai 1903 die Umwandlung des unteren Teils des Haines in eine „prächtige gärtnerische Anlage mit einem kleinen Weiher“ dokumentiert.

Gestaltung im 20. Jahrhundert

Das heutige Erscheinungsbild des König-Albert-Hains geht allerdings auf den Beginn der 1930er Jahre zurück. Wie bereits beim Knielohpark erwähnt, wurde das Tal des Knielohbaches in dieser Zeit verrohrt und aufgefüllt. Mit dem Verschwinden des Baches verschwanden auch die Brücke und der Weiher. Im oberen Teil des Hains existierte einst eine Aussichtsplattform, wie auf alten Ansichtskarten zu erkennen ist. Auch dieser Bereich gegenüber dem Krankenhaus erhielt in den 1930er Jahren das Aussehen, das er bis heute bewahrt hat.

Historische Straßennamen und Stadtgeschichte

Vor der Anlage des Hains in den späten 1880er Jahren verlief die Straße, die aus Plauen hinausführte, den steilen Berg hinauf – die heutige Straße „Am-August-Bebel-Hain“. Dieser Berg trug damals den Namen Spittelberg, ein Hinweis auf das ehemalige St.-Johannes-Hospital mit den Siechenhäusern, die dort gestanden hatten. Zeitgleich mit der Grünanlage ließ die Stadtverwaltung die bis heute genutzte Schleife der Reichenbacher Straße um den König-Albert-Hain herum anlegen.

Richtstätten und Erinnerung an die Stadtgeschichte

Am Fuß dieses Berges verweist die Straßenbezeichnung „Am Gericht“ auf ein bedeutsames Stück Stadtgeschichte. Auf der Anhöhe hinter dem mehrstöckigen Gebäude neben der Eisenbahnbrücke befand sich in früheren Jahrhunderten eine Richtstätte, an der Hinrichtungen vollzogen wurden – oftmals gut sichtbar an den Ausfallstraßen der Stadt, um abzuschrecken. Im Straßennamenheft des Plauener Museums wird zudem eine zweite Richtstätte erwähnt, die auf dem Galgenberg oberhalb der Oelsnitzer Straße lag. Die Richtstätte nahe dem Spittelberg ist bereits in mittelalterlichen Urkunden aus dem 15. und 16. Jahrhundert nachweisbar und auf zeitgenössischen Stadtabbildungen zu finden.

Denkmalschutz

Der August-Bebel-Hain steht heute unter Denkmalschutz und ist damit ein bedeutendes Zeugnis der Plauener Stadtgeschichte.



Reusaer Wald - Pulverhäuser



Mysteriöse Erdwälle im Reusaer Wald 

 

Seltsame Erdhügel und Mauerreste nahe Tauschwitz 

Im Reusaer Wald bei Tauschwitz fallen Wanderern und Spaziergängern immer wieder ungewöhnliche Erdhügel und Mauerreste auf. Viele Menschen halten inne, fotografieren die Umgebung und spekulieren über die Herkunft dieser mysteriösen Anlagen mitten im Wald. 

Historische Erklärungen: Die Pulverhäuser 

Ein Blick in alte Stadtpläne bringt Licht ins Dunkel. Auf Plänen aus den Jahren 1912 und 1930 ist am Waldrand explizit „Pulverhäuser“ oder „Pulverhaus“ vermerkt, teilweise ist sogar eine Zufahrt zu erkennen. 
Auf einem Plan von 1941 fehlen die Bauten aber, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt noch existierten. Aus Sicherheitsgründen wurden sie offenbar nicht mehr eingezeichnet. Weitere Hinweise liefern alte Akten aus dem Rathaus sowie der Verwaltungsbericht der Jahre 1905 bis 1907. 

Bau und Nutzung der Gebäude 

1906 entstanden drei Häuschen: Ein Gebäude diente der Lagerung von Dynamit, eines zur Aufbewahrung von Pulver und ein kleineres für Feuerwerkskörper. Bereits 1907 wurden die Gebäude genutzt. Das Pulver- und das Dynamithaus waren jeweils rund fünf Meter lang und breit sowie etwa zweieinhalb Meter hoch. Beide Häuser wurden durch jeweils drei Türen verschlossen und zur Sicherheit bis in Dachhöhe mit Erdwällen umgeben. Der Raum für die Feuerwerkskörper befand sich zwischen den Erdwällen. Auch an Blitzschutz wurde gedacht – ein acht Meter hoher Holzmast mit kupferner Spitze sorgte dafür. 

Spätere Entwicklungen und heutiger Zustand 

Die Hügel und Mauerreste im Reusaer Wald lassen sich somit historisch erklären. Über das spätere Schicksal der Gebäude ist wenig dokumentiert. 1932 veranlasste die Stadtverwaltung nach Kritik der Gewerbeaufsicht, die Türen der Häuschen sicherer zu gestalten, um Diebstähle zu verhindern. Gegen Ende des Krieges fielen Bomben auf den Reusaer Wald, weshalb vermutet wird, dass die Bauten damals zerstört wurden. Heute wachsen längst wieder Bäume auf den Hügeln und ein Wanderweg in Richtung Kemmler führt in unmittelbarer Nähe vorbei. Für Ausflügler sind die Erdwälle bis heute eine kleine Attraktion auf ihrer Route. 


Ehemalige Gaststätte im Reusaer Wald

Auszüge aus der Chronik des einstigen Reusaer Waldhauses:


- 1912 – als Vereinsheim der Naturfreunde erbaut 
- Bis 1942 – als Ausflugsgaststätte betrieben 
- 1942 – Kinderlandverschickungslager
- 1943 – Hilfskrankenhaus, und im gleichen Jahr Lagerraum für Stadttheater und Vogtlandmuseum 
- 10.4.1945 – Plünderung nach Bombenangriff 
- Ab 1947 – Tanzlokal 
- 1960er Jahre – Kinderwochenheim für drei- bis sechsjährige Kinder von Betriebsangehörigen der Plauener Spitze und der Plauener Gardine 
- Danach: Kinderhort der Reusaer Schule und Raum für Unterricht 
- Ende 1970er Jahre – Umbau zum Ferienheim des Magistrats von Berlin 
- Ab 1994 – Jugendherberge 
- Ab 2003  Gaststätte
- Seit 2020 in Privathand