Entdecken Sie die Geschichte der Plauener Kinos!
Ehemalige Kinos in der Stadt:
- Tivoli Plauen - Pfaffenfeldstraße 2 - es wurde am 7. März 1914 als neues Filmtheater Tivoli eröffnet - im Gebäude sind aber schon lange vorher Filme gezeigt worden: bereits vor 1900 liefen im damaligen Marionettentheater von Richard Bonesky nach den Aufführungen kurze Filmstreifen
- Lu-Li Plauen - Bahnhofstraße 23 - am 8. Oktober 1913 eröffnet
- Alhambra Plauen - Oberer Steinweg 8 am Klostermarkt - am 27. Juli 1911 eröffnet
- Sachsenhof-Lichtspiele Plauen - Morgenbergstraße 43 in Haselbrunn (nach dem II. WK)
- Wintergarten-Lichtspiele - Gottschaldstraße 22 (existierte nur bis zum Ende des II. WK)
- Friesenlichtspiele - Kleinfriesener Straße 60 (damals Walter-Hedler-Straße - nach dem II. WK)
- Centralhalle Chrieschwitz, Möschwitzerstraße 64, Tanzlokal genutzt - nach dem II. WK eröffnet
- Lichtspiele Drei Schwäne Neundorf (Kreis Plauen) - nach dem II. WK - Gasthof-Saal genutzt
- Bahnhofshotel Jößnitz - nach dem II. WK - Saal genutzt
- Reichshallen-Lichtspiele - Bahnhofstraße 47
- Union-Theater - Bahnhofstraße 39
- Kammer-Lichtspiele (vorher als "Weltspiegel" bezeichnet) - Neustadtplatz 15/17
- Bioskop - Jägerstraße 5 (alle 4 Theater vor dem II. WK)
Die ersten bewegten Bilder in Plauen
Das Tivoli als früher Ausgangspunkt
Spricht man von den Anfängen des Plauener Lichtspielwesens, führt kein Weg am Tivoli im Süden der Stadt vorbei. Schon lange bevor das Kino als eigenständige Kunstform etabliert war, flimmerten hier erste bewegte Bilder über die Leinwand. Bereits vor 1900 zeigte der Marionettenspieler Richard Bonesky nach seinen Aufführungen im Tivoli kurze Filmstreifen – eine Sensation für das damalige Publikum. Das Restaurant Tivoli ist im Adressbuch von 1898/99 unter der Adresse Hoferstraße 54 verzeichnet, dem Eckgebäude zur Pfaffenfeldstraße. Bonesky selbst wohnte im ersten Stock. Später, im Jahr 1914, firmierte an gleicher Stelle das „Volkstheater Tivoli“ von Albert & Reichenbach – ein Hinweis darauf, wie fest sich der Ort im kulturellen Leben der Stadt verankert hatte.
Sensationen im „Prater“
Ein weiterer früher Schauplatz der Kinematographie war der „Prater“ an der Dobenaustraße 29, wo sich später die DRK-Rettungswache befand. Dieses Vergnügungsetablissement bot Konzerte, Tanz und Varieté – und im Oktober 1899 für eine Woche etwas völlig Neues: den Chemnitzer Fotografen Clemens Seeber mit seinen „lebenden Photographien“. Die Wirkung auf das Publikum war überwältigend. Ein Reporter des Vogtländischen Anzeigers und Tageblatts schilderte begeistert, wie ein amerikanischer Blitzzug scheinbar direkt auf die Zuschauer zufuhr und Menschen auf den Gleisen im letzten Moment zur Seite traten. Besonders eindrucksvoll empfand man eine Szene aus einem Chemnitzer Schwimmbad, die so realistisch wirkte, dass man sich mitten im Geschehen wähnte.
Ein Publikum in Begeisterung
Die Begeisterung der Plauener war enorm. Am vorletzten Tag des Gastspiels musste der Saal bereits eine halbe Stunde vor Beginn wegen Überfüllung geschlossen werden. Bewegte Bilder hatten ihren festen Platz im Unterhaltungsleben der Stadt gefunden.
Die Welt zu Gast auf dem Schützenfest
Auch auf dem alljährlichen Schützenfest Anfang Juni 1900 gehörte der Blick auf die Welt bereits zum Programm. Der Electro-Biograph des Herrn Fey sowie das Edison-Theater des Leipziger Instituts Globus zeigten neben unterhaltenden und dramatischen Szenen aktuelle Ereignisse aus aller Welt: den Burenkrieg in Afrika, Bilder von der Weltausstellung in Paris oder den feierlichen Einzug Kaiser Franz Josephs und anderer Majestäten in Berlin.
Der Weg zum ständigen Kino
Ab etwa 1905 setzten sich schließlich feste Filmvorführräume durch, meist in umgebauten Läden oder Cafés. Eine musikalische Begleitung wurde zunehmend selbstverständlich. In Plauen nutzte der Prater-Wirt Sonnenkalb den Wintergarten seines Etablissements für den Kinobetrieb. Dort ließ er an der Gartenseite eine Schaubühne mit großer Leinwand errichten. Ein Orchestrion sorgte für die musikalische Untermalung der Filme. Auf dem Programm standen Titel wie „Der Mädchenjäger“, „Sie hat die Hosen an“ oder ein aktueller Streifen über den Ausbruch des Vesuvs im Jahr 1906.
Eine neue Epoche beginnt
Ab 1907 eröffneten weitere Kinematographentheater in Plauen. Viele von ihnen bestanden nur wenige Jahre, doch einige überdauerten bis 1945 und darüber hinaus. Sie alle markieren den Beginn einer neuen Epoche: den Siegeszug des Films und die Geburt des Kinos in Plauen.