Historischer Bericht aus Plauen: Einblick in die Nachkriegszeit
Drei Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg berichtete die Freie Presse Plauen in einer kurzen Meldung über eine Entführung. Ein achtjähriger Junge hatte in Plauen ein dreijähriges Mädchen entführt und es anschließend gezwungen, für ihn zu betteln. Die Sache kam ans Tageslicht, weil die beiden Kinder am folgenden Tag in Schönbach einer Dorfbewohnerin aufgefallen waren. Der Junge hatte die Dreijährige heftig geschlagen, woraufhin die Frau eingegriffen hat. Die hinzu gerufene Polizei brachte die beiden wieder nach Plauen. Der Achtjährige kam in eine Erziehungsanstalt. Wie die Zeitung damals berichtete, sei er außerordentlich entwickelt und frühreif gewesen, habe kaum die Schule besucht, habe Diebstähle begangen, sei unter traurigen häuslichen Verhältnissen aufgewachsen. Er lebte bei seiner Großmutter.
Napoleon und Plauen: Ein historisches Ereignis
Vogtländischer Anzeiger
21. Stück Plauen, Sonnabends den 23. May 1812
Der Kaiser Napoleon in Plauen
Am 15. May hatte diese Stadt das Glück, Se. Majestät den Kaiser der Franzosen nebst Seiner Majestät der Kaiserin auf Dero Durchreise nach Dresden in ihren Mauern ankommen zu sehen. Eine vor dem Brückenthor errichtete Ehrenpforte hatte folgende Inschriften. Oben im Haupte, wo der kaiserliche Adler schützend über dem königlich sächsischen Wappen schwebte:
Napoleoni Magno
Victori, Satori, Propugnatori
Civ. Plav.
Darunter nachstehendes Distichon
Sospes, Caesar, ades, nullis optatior
oris
Saxonia exultat, Rexque fidelis ovat.
Dabei paradierte das löbliche Schützencorps und ein Theil der Bürgerschaft mit fliegenden Fahnen und Janitscharenmusik, sowie Detachements von der kaiserlichen Uhlanen- und der königlichen Kürassier-Garde.
Schon Vormittags wurden die hohen Reisenden erwartet; allein sie trafen erst abends halb 6 Uhr unter dem Geläute der Glocken all hier ein und nahmen ihr Absteige- und Nachtquartier im Hause des Herrn Kaufmann Kanz, woselbst Dieselben von Deputationen der Ritterschaft, der königlich. Beamten, der Geistlichkeit, des Magistrats, der Kaufmannschaft und der Bürgerschaft erwartet, und während Se. Majestät durch ihre Reihen freundlich hinging, mit einem Vive l'Empereur! bewillkommnet wurden. Abends war die Stadt erleuchtet. Am Morgen des 16. früh nach 4 Uhr verließ das erhabene Paar diese Stadt wieder, wo es Eindrücke der innigsten Bewunderung zurückließ und von heißen Segenswünschen für die glückliche Fortsetzung Seiner Reise zu dem königlichen Freunde begleitet wurde.
1. Juli 1910 - Jößnitz wird Villenort
"Unser Nachbarort Jößnitz, der unmittelbar an die Waldungen der vogtländischen Schweiz angrenzt, hat sich im Laufe der letzten Jahre fast ebenso wie Jocketa zu einer Villenkolonie ausgestaltet. Der Umstand, dass immer mehr Villen dort entstehen, hat den Gemeinderat der Gemeinde und des selbstständigen Gutsbezirks Jößnitz zu dem Beschluss geführt, die Flur in drei Teile zu zerlegen und ein Ortsgesetz aufzustellen, wonach ein Teil der Flur nur mit Villen und die beiden anderen Teile auch mit gewerblichen Anlagen bebaut werden dürfen. ..."
Quelle: Vogtländischer Anzeiger und Tageblatt vom 1. Juli 1910
Am Dittrichplatz stand einst ein Lebensmittelkiosk
Am 28. September 1949 berichtete die Freie Presse Plauen über die Eröffnung eines Kiosk am Dittrichplatz. Betreiber war die HO. Zu kaufen gab es Süßwaren, Gebäck, Tabakwaren und Liköre. Der Kiosk hatte werktags von 9 bis 17 Uhr geöffnet.
Quelle: Freie Presse Plauen, 28. September 1949
Als die Weiße Elster zum Himmel stank - ein Leser klagt an
Von Peter Albrecht
Ein „Notschrei aus Chrieschwitz“ schreckte zu Anfang August 1911 die Leser des Vogtländischen Anzeigers und Tageblatts auf. In dem so überschriebenen Leserbrief schilderte ein Bewohner des Ortsteils "im Namen vieler“ den Zustand des Flusses. Die Bewohner des Dorfes, und nicht nur die, hätten unter "Ausdünstungen“ des Gewässers zu leiden. Die Zustände spotteten jeder Beschreibung. „Die der Elster entsteigenden Gase sind so penetrant und ekelerregend, dass denselben jeder entflieht, soweit er kann“, heißt es in dem Schreiben.
Man könne die Fenster nicht mehr öffnen. Die Gerüche hafteten an Kleidern und anderen Gegenständen. Der Verfasser der Zeilen nennt auch gleich die Gründe:
„Das Mühlenwehr ist vielleicht seit zehn Jahren nicht mehr gereinigt worden“. Alles, was aus Richtung Stadt dort angespült werde, Unrat sowie organische wie nicht-organische Abfälle, bleibe am Wehr hängen. Die festsitzenden Abfälle hätten eine Höhe erreicht, die in wasserarmer Zeit den Wasserspiegel überschreite. Die abgelagerten Massen gingen in Fäulnis über. „Sie werden durch die Sonnenstrahlen förmlich gekocht, so dass es in denselben brodelt und quirlt wie in einem Hexenkessel“, wird die äußerst plastische Beschreibung fortgesetzt.
Die Beschwerde ist im heißen Sommer 1911 nicht die einzige gewesen. Mehrfach ließen Bürger auch aus anderen an der Elster gelegenen Stadtgebieten ihren Frust über das verdreckte Flusswasser in Leserbriefen heraus. Zirka zwei Wochen nach dem Brandbrief aus Chrieschwitz informiert die Stadtverwaltung: Bei der jüngsten Revision der Spülabort-Klärgruben hätte bei 200 Anlagen eine einmalige Desinfektion stattfinden müssen – weil die Abwässer in einem sehr schlechten Zustand gewesen seien. Die Kosten der Desinfektion müssten die Grubenbesitzer tragen. Dazu muss man wissen: Die Hinterlassenschaften der Spülabort-Gruben landeten im Fließgewässer. Sie waren aber nicht die einzige Ursache.
Abwässer aus gewerblichen Betrieben kamen hinzu. In der damaligen Blütezeit der Textilindustrie und anderer Industriezweige befanden sich jede Menge Fabriken dies- und jenseits des Ufers. Die taten ein Übriges. Die Stadt versprach eine stärkere Überwachung der Einleitungen. Mehr passierte zunächst aber nicht. Eine Zentralkläranlage gab es damals noch nicht.
Die heutige Kläranlage am Elsteruferweg, hinter Chrieschwitz, ist erst in den 1930er Jahren geplant und errichtet und 1938 eingeweiht worden.