
Kaiser-Wilhelm-Hain
im Stadtpark
Chronik
- Am 9. April 1887 (damals Karsamstag) wurden zwischen dem heutigen Stadtparkring und der Bahnlinie von Plauen nach Oelsnitz 90 Eichen in Form eines eisernen Kreuzes für den Kaiser-Wilhelm-Hain gepflanzt.
- Die 90 Eichen standen für die 90 Lebensjahre des damals regierenden Kaisers Wilhelm I., der am 22. März 1797 geboren wurde.
- Das Eiserne Kreuz war der zu jener Zeit bekannteste Militärorden und symbolisierte die Siege in den Einigungskriegen, die zur Gründung des Kaiserreiches führten. Der Kaiser hatte das Kreuz zudem im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 getragen.
- Dass Eichen gepflanzt wurden, lag daran, dass diese Baumart im 19. Jahrhundert als deutscher Nationalbaum angesehen wurde. Die Stadt schuf also eine Art lebendes Denkmal für den Monarchen.
- Initiator des Hains ist der über weite Strecken der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts amtierende Oberbürgermeister Oskar Theodor Kunze gewesen. Er hielt seine Ansprache anlässlich der Pflanzung erst abends gegen halb sechs Uhr, als die Waldarbeiter alle Setzlinge in die Erde gebracht hatten. Nach der Ansprache ließ man den Herrscher dreimal hochleben und sang anschließend das vom Rathauschef vermutlich selbst gedichtete Kaiserlied. Danach bekamen die Arbeiter einen Imbiss und einen Umtrunk.
- Fünf Jahre später, am 6. Juli 1892, vollendete man den Kaiser-Wilhelm-Hain mit der Aufstellung eines aus Tauschwitz mit 12 Pferden herbeigeschafften, 500 Zentner schweren Denksteins.
- Der Kaiser-Wilhelm-Hain ist später in den Stadtpark einbezogen worden.
- Die heutige Hainstraße an der Freizeitanlage Syratal hat ihren Namen von diesem Kaiser-Wilhelm- und dem gegenüber befindlichen Bismarck-Hain. Die Trasse sollte westlich am Dobenaufelsen vorbei zu diesen Hainen verlaufen. Zu diesem Bau kam es aber nicht.

Die gestohlene
Gedenkplatte
Platz am Essigsteig erinnert
an ersten Oberbürgermeister
Ein prägender Stadtgestalter
Dass Plauen bis heute als grüne der Stadt gilt, ist eng mit Oskar Theodor Kuntze verbunden. Der erste Oberbürgermeister prägte das Stadtbild nachhaltig und setzte wichtige Impulse für die Entwicklung der Stadt.
Sein Wirken für Plauen
Von 1865 bis 1893 leitete Kuntze die Stadtverwaltung, ab 1882 als erster Oberbürgermeister. Er förderte nicht nur Verwaltung und Wirtschaft, sondern gründete auch die Kunstschule für Textilindustrie und engagierte sich für die Entwicklung des Vogtlands.
Besonders sichtbar ist sein Vermächtnis bis heute im Stadtgrün. Kuntze ließ Parks, Haine und stadtnahe Erholungsgebiete anlegen, die Plauen ein neues Gesicht gaben.
Grüne Orte bis heute
Zu den bis heute bekannten Anlagen zählen unter anderem der Stadtpark, der Preißelpöhl und der Stadtwald. Die Grundschule Kuntzehöhe, die Kuntzestraße, der Gedenkstein im Stadtwald, eine Kleingartenanlage mit seinem Namen und anderes erinnern an den Mann, der Plauens grüne Entwicklung entscheidend geprägt hat.
Gestohlene Platte ersetzt
Im Sommer 2021 wurde die aus Bronze bestehende Gedenkplatte am Stein gestohlen. Mittlerweile wurde aber für Ersatz gesorgt. Der Ersatz besteht nicht mehr aus Bronze. Die neue Platte besteht aus Naturstein.

Vom König-Albert- zum August-Bebel-Hain
Geschichte des Hains
Entstehung und Entwicklung des August-Bebel-Hain (König-Albert-Hains)
Der frühere König-Albert-Hain ist älter als die Knielohanlage. Bereits im Jahr 1889 wurde der Steilhang, der sich vom Krankenhaus hinab zum Knielohbach erstreckt, mit 200 Bäumen bepflanzt, mit Wegen versehen und als Grünanlage ausgewiesen. Die „Kleine Chronik der Stadt Plauen“ aus dem Kommissionsverlag von Rud. Neupert jr. (1908) nennt den 3. Juni 1889 als Tag der feierlichen Einweihung des König-Albert-Haines. Ein Jahr später wird in der Fortsetzung der Chronik bis 1908 für den 8. Mai 1903 die Umwandlung des unteren Teils des Haines in eine „prächtige gärtnerische Anlage mit einem kleinen Weiher“ dokumentiert.
Gestaltung im 20. Jahrhundert
Das heutige Erscheinungsbild des König-Albert-Hains geht allerdings auf den Beginn der 1930er Jahre zurück. Wie bereits beim Knielohpark erwähnt, wurde das Tal des Knielohbaches in dieser Zeit verrohrt und aufgefüllt. Mit dem Verschwinden des Baches verschwanden auch die Brücke und der Weiher. Im oberen Teil des Hains existierte einst eine Aussichtsplattform, wie auf alten Ansichtskarten zu erkennen ist. Auch dieser Bereich gegenüber dem Krankenhaus erhielt in den 1930er Jahren das Aussehen, das er bis heute bewahrt hat.
Historische Straßennamen und Stadtgeschichte
Vor der Anlage des Hains in den späten 1880er Jahren verlief die Straße, die aus Plauen hinausführte, den steilen Berg hinauf – die heutige Straße „Am-August-Bebel-Hain“. Dieser Berg trug damals den Namen Spittelberg, ein Hinweis auf das ehemalige St.-Johannes-Hospital mit den Siechenhäusern, die dort gestanden hatten. Zeitgleich mit der Grünanlage ließ die Stadtverwaltung die bis heute genutzte Schleife der Reichenbacher Straße um den König-Albert-Hain herum anlegen.
Richtstätten und Erinnerung an die Stadtgeschichte
Am Fuß dieses Berges verweist die Straßenbezeichnung „Am Gericht“ auf ein bedeutsames Stück Stadtgeschichte. Auf der Anhöhe hinter dem mehrstöckigen Gebäude neben der Eisenbahnbrücke befand sich in früheren Jahrhunderten eine Richtstätte, an der Hinrichtungen vollzogen wurden – oftmals gut sichtbar an den Ausfallstraßen der Stadt, um abzuschrecken. Im Straßennamenheft des Plauener Museums wird zudem eine zweite Richtstätte erwähnt, die auf dem Galgenberg oberhalb der Oelsnitzer Straße lag. Die Richtstätte nahe dem Spittelberg ist bereits in mittelalterlichen Urkunden aus dem 15. und 16. Jahrhundert nachweisbar und auf zeitgenössischen Stadtabbildungen zu finden.
Denkmalschutz
Der August-Bebel-Hain steht heute unter Denkmalschutz und ist damit ein bedeutendes Zeugnis der Plauener Stadtgeschichte.