Geschichte von Plauen entdecken
Ihre Quelle für lokale Geschichte und Stadtteilgeschichten in Plauen
Privat betriebenes Archiv über Plauens Geschichte und Stadtteile.
Historisches Kalenderblatt
für die Zeit vom 22. September 2026
bis zum 27. September 2026
- 22. September 1983 - Im Stadttheater gastiert das Nationalballett der Philippinen "Bayanihan".
- 23. September 1982 - Triebwagenführer des Straßenbahnbetriebes haben der Stadt eine neue Uhr für den Otto-Grotewohl-Platz (Tunnel) gestiftet. Diese Uhr wird am 23. September 1982 aufgestellt.
- 24. September 1901 - Die Stadt kauft Grundstücke in Poppengrün, Werda, Neudorf, Siehdichfür und Neustadt. Der Stadtgemeidnerat trifft den entsprechenden Beschluss. Plauen braucht den Grund und Boden für die Errichtung einer Talsperre für die Trinkwasserversorgung seiner Bürger.
- 25. September 1982 - Der Ortsteil Thiergarten erhält Anschluss an die städtische Trinkwasserversorgung.
- 26. September 1866 - An der Reißiger Straße nimmt der neue Friedhof I den Betrieb auf. Zuvor fanden die Toten auf dem Gottesacker an der Lutherkriche ihre letzte Ruhe.
- 27. September 1970 - Auf der Eisenbahnstrecke von Plauen, Unterer Bahnhof, über Chrieschwitz nach Falkenstein fährt kein Zug mehr. Die Deutsche Reichsbahn stellt den Betrieb ein.
Quelle: Geschichtskalender für die Stadt Plauen, Peter Albrecht, Selbstverlag, 2025
Wie viel Millionäre hatte Plauen?
Am 11. April 1911 veröffentlichte der Vogtländische Anzeiger und Tageblatt folgende Meldung:
"Die Zahl der Gemeinde-Einkommenssteuerpflichtigen in unserer Stadt betrug im Jahre 1910 rund 51.000. Davon hatten ein Einkommen von über 300 bis 1500 Mk. 39.883 Steuerzahler. Über 1500 bis 2500 Mk. Einkommen versteuerten 6042 Personen und über 2500 bis 10.000 Mk. 4040 Personen. 243 Personen hatten ein Einkommen von über 10.000 bis 20.000 Mk. Das höchste Einkommen, das 1910 ein Steuerzahler zu versteuern hatte, betrug 927.000 Mk. Er hatte einschließlich des Zuschlags von 90 Prozent die Summe von 63.400 Mk an Gemeindesteuern zu entrichten. Nimmt man an, dass ein Jahreseinkommen von 40.000 Mk. dem Zinsertrag von einer Million entspricht, so darf man die Zahl der Millionäre Plauens auf über 140 angeben, denn die Zahl derer, die 1910 ein Jahreseinkommen von über 40.000 Mk. versteuerten, betrug 146. Die Zahl dieser hohen Einkommen hat sich während der letzten 10 Jahre beträchtlich vermehrt: von 60 im Jahre 1900 auf 146 im Jahre 1910. Für die Steigerung der Einkommen spricht auch die Tatsache, dass die Zahl der mit einem Einkommen von nur 500 Mk. und weniger eingeschätzten Personen wesentlich zurückgegangen ist. So gab es im Jahre 1900 über 6000 Steuerpflichtige mit einem Einkommen von über 300 bis 500 Mk, im Jahre 1910 hatte man trotz erheblicher Zunahme der Einwohnerzahl nur noch 4200 solcher Steuerzahler."
In der Kleinen Chronik für das Jahr 1911 sind unter dem Datum 7. April die Zahlen übernommen worden, nicht aber die Rechnung (fettgedruckt).
In der Publikation "Jahrbuch des Vermögens und Einkommens der Millionäre im Königreich Sachsen" von Rudolf Martin aus dem Jahr 1912 sind 34 Millionäre mit dem Eintrag Plauen zu finden. Im Vorwort macht der Autor aufmerksam, dass der Grundbesitz nicht eingerechnet wurde.

Gab es den Blumenaugust wirklich?
Ja, den gab es wirklich - im Gegensatz für Neideiteln, einer erfundenen Figur. Zu den unverwechselbaren Stadtfiguren des alten Plauen gehört Johann Wagler, besser bekannt als der Blumen-August. Um 1912 herum war er aus dem Stadtbild kaum wegzudenken – ein freundlicher alter Mann mit einem abenteuerlichen Hut, geschmückt mit Federn und Bildern, und einem stark beanspruchten Blumenkorb auf dem Rücken.
Wagler hatte ein bewegtes Leben hinter sich: Bevor er auf die Straße ging, um Blumen und Ansichtskarten für die Gärtnerei Westphal zu verkaufen, arbeitete er in Apotheken, Gerbereien und war viel auf Wanderschaft. Erst mit rund 50 Jahren fand er seine Berufung als farbenfroher Blumenverkäufer – und wurde bald zur lokalen Legende. Bei Passanten wie auch Gästen in Gaststätten war er wegen seiner „originellen Aufmachung und seines wunderlichen Wesens“ beliebt, wie es in der Tagespresse hieß.
Doch der Lebensabend war nicht leicht und wurde überschattet von einem dramatischen Ereignis: In der Nacht vom 8. auf den 9. Februar 1912 wollte er – damals 76 Jahre alt – ein Weinlokal betreten, um dort seine Ware anzubieten. Beim Eintreten in das Lokal fiel ihn ein großer Hund an und verletzte ihn schwer im Gesicht. Die Zeitungen berichteten von dem Vorfall und seinem Transport ins Krankenhaus. Es war nicht sein erstes Pech: Kurz zuvor war er schon von einem Wagen angefahren worden. Die Verletzungen stellten sich bald als weniger schwer heraus als befürchtet – Blumen-August erholte sich „den Verhältnissen entsprechend leidlich“, so wurde weiter berichtet.
Ein Jahr später aber war seine Kraft am Ende. Wegen Altersschwäche kam er 1913 in die Pflegeanstalt Kauschwitz – finanziert vom Armenamt. Dort starb er am 10. November 1918.
Vergessen wurde er nie: An der Straßberger Straße erinnert heute eine Bronzefigur des Künstlers Hannes Schulze an den Blumen-August – gestiftet von einem ehemaligen Plauener, der ihn ebenfalls nicht vergessen konnte.
Wo standen die Plauener Stadttore?
Der Prunkbau im Zentrum
Das Warenhaus - Kunstmaler verschönerten den Bau
Der prunkvolle Bau öffnete am 28. Februar 1914 erstmals seine Türen. Den Besuchern gingen die Augen über. Denn das war schon etwas Neues für die Stadt - ein solcher Riesenbau mit einem solchen Angebot unter einem Dach.
Konfektions- und Putzabteilung mit Arbeitsstuben und Anprobierzellen sowie einem großen Abänderungsraum (erste Etage), Lebensmittelabteilung, Leihbibliothek waren unter anderem zu finden.
Vom Erdgeschoss aus gelangte man über eine prunkvolle Treppe bis ins dritten Stockwerk. Diese Treppe war ein Hingucker:
Drei Meter breit und in Eichenholz ausgeführt.
Der Lichthof war 20,85 Meter lang und 21,40 Meter hoch. Er bildete den Mittelpunkt der Hausanlage. Seine Pfeiler waren mit Marmor bekleidet, die vier Kronleuchter für je 6000 Kerzen aus Bronze geschmiedet. Ein bemaltes Oberlicht erfreute die Kunden des Hauses. Auch die Giebelfenster sind mit Kunst verziert gewesen. Vogtländische Künstler lieferten damals die Kartons für das Glasmosaik, also die künstlerischen Vorlagen für die Gestaltung. Darunter befand sich der Maler Paul Söllner (1877 bis 1947). Über dem Lichthof ging es aber immer noch weiter.
Über der bemalten Staubdecke befand sich nochmal ein zwölf Meter hoher Raum mit dem eigentlichen Oberlicht, den Winden für die Kronleuchter und andere Technik.
In der zweiten Etage beeindruckte der Teppichsaal mit seinen Wandflächen, Decken und Galerien, die mit Eichenholz verkleidet und mit Intarsien-Einlagen versehen waren.
Der Erfrischungsraum im dritten Geschoß bildete einen Anziehungspunkt. Das über die gesamte Postplatzfront und mit vorgelagerter Terrasse für beste Aussicht ausgestattete Restaurant machte was her. Die Wandverkleidung war aus gesandeltem Tannenholz gefertigt. Zwei Temperabilder von Kunstmaler Pampel erfreuten die Gäste.
Im Dachgeschoss werkelten Tischler, Tapezierer und Schildermaler. Dort befanden sich auch die Büros, die Telefonzentrale und die Warenannahme mit Lastenaufzug. An der Rückseite des Hauptdaches lockte noch eine Aussichtsplattform. 33 Meter über dem Postplatz hatte man von dort einen umfassenden Rundblick.
Architekt war Emil Rösler aus Plauen.
Chronik der Bauarbeiten:
Dezember 1911 – Beginn der Abrissarbeiten an Forststraße mit anschließender Ausschachtung bis 12 Meter tief unter die Straße.
Ostern 1912 - Aufbau des Mauerwerks.
Spätherbst 1912 – Bauteil an Forststraße fertiggestellt. Ein Teil der Räume wird bereits zu Verkaufszwecken übergeben.
Anfang 1913 – Westphalisches Haus wird abgebrochen und gegen Ostern ebenfalls das alte Geschäftshaus der Firma Tietz am Postplatz – Baustart an dieser Stelle.
Einweihung des gesamten Gebäudes am 28. Februar 1914.
Zahlen und Fakten:
Bebaute Fläche des Grundstücks: 3450 Quadratmeter
Nutzbare Flächen für Verkauf, Lager, Arbeits- und Erholungsräume: 17.500 Quadratmeter
Größte Höhe vom Kellerfußboden bis zum Dachfirst am Postplatz: 36,60 Meter
Hausfront an Forststraße: 80 Meter lang (aus rotweißem Main-Sandstein), 60 Meter Front am Postplatz aus gelblichem Pfälzer Sandstein mit bildnerischem Schmuck von Professor Ullrich (Dresden)
20 Beleuchtungskörper aus Kupferbronze an der Postplatzfront mit einer Lichtfülle von 52.000 Kerzen
Seit wann hat Plauen eine Zeitung?
Am 12. März 1789 erschien die erste Ausgabe des „Intelligenz-Blattes der Kreisstadt Plauen im Voigtlande“. Diese Zeitung gilt als die erste Lokalzeitung, die regelmäßig über Neuigkeiten aus der Stadt und dem Umland berichtete.
Allerdings existierten auch schon vor 1789 Blätter mit dem Namen „Zeitung“. Die älteste Zeitung des Vogtlandes befindet sich im Stadtarchiv. Sie stammt aus dem Jahr 1556 und trägt den Titel „Neue Zeitung einer wahrhaftigen, wunderbarlichen und unerhörten Geschicht“. Der Inhalt dieser mittelalterlichen Geschichte berichtet von einer Gruppe Adliger, die nach Sichtung einer schwarzen Wolke am Himmel am Abend der Marie Heimsuchung (2. Juli) eine christliche Erscheinung samt Engeln mit Posaunen und dem Teufel gesehen haben will. Das Ereignis wurde als Warnung interpretiert.
Sensation und Kriminalität in frühen Zeitungen
Neben religiösen Themen wurden in den Zeitungen oft auch Mord und Totschlag behandelt. Ein Beispiel aus einer Zeitung von 1581 beschreibt, wie ein Mühlknecht im Haus seines Meisters dessen Stieftochter geschwängert, die Ehefrau ermordet, weitere Morde begangen und schließlich das Haus angezündet haben soll. Das Ganze ereignete sich am Lichtmesstag in Schöneck.
Die Monatsschrift „Gespräche eines curiösen Bauern mit dem durch die Welt reuthenden Kriegs- und Friedensboten von den Neuesten dieser Zeit“ gilt als das erste periodisch erschienene Druckerzeugnis aus Plauen und wurde von 1751 bis 1755 veröffentlicht. Die erste Zeitung im heutigen Sinne war aber das ab 1789 herausgebrachte Intelligenzblatt.
Entwicklung und Verbreitung der Lokalzeitungen
Das „Intelligenzblatt“ bestand über viele Jahre. Die Drucker Carl Gottlob und Carl Friedrich Haller veröffentlichten die vierseitige Zeitung im Format 12,5 mal 22 Zentimeter zunächst einmal pro Woche. Ihre Druckerei befand sich am Mühlberg. 1798 verkauften sie die Druckerei für 1800 Reichstaler an Christoph Carl Wieprecht, in dessen Familie sie blieb. Ab 1840 erschien das Blatt zwei Mal wöchentlich, ab 1848 drei Mal und ab 1866 schließlich täglich. Die Produktion erfolgte zunächst auf Holzpressen, ab 1845 auf einer Handpresse. 1853 führte Wieprecht die erste Schnellpresse ein und 1891 die erste Rotationsmaschine. Diese Entwicklungen sind in einem Faltblatt der Berufsgruppe des Buchdruckerhandwerks aus DDR-Zeiten dokumentiert, das im Stadtarchiv eingesehen werden kann.
Wachstum der Leserschaft und Vielfalt der Titel
Mit dem Bevölkerungswachstum stieg auch die Zahl der Zeitungsleser. Als Plauen 1904 mit 100.000 Einwohnern zur Großstadt wurde, zählte der „Vogtländische Anzeiger und Tageblatt“ etwa 30.000 Abonnenten. Die Leser hatten am Kiosk aber Auswahl: Neben dem „Plauener Sonntags-Anzeiger“ und der „Neuen Vogtländischen Zeitung“ erschien ab 1919 auch die sozialdemokratische „Volkszeitung“, die reichlich Lesestoff aus Stadt und Region bot. Mit dem Zweiten Weltkrieg endete die Zeit dieser Zeitungen; die letzte Ausgabe des „Vogtländischen Anzeigers und Tageblatts“ erschien am 10. April 1945.
Nachkriegszeit und Veränderungen im Zeitungswesen
Der Betrieb von Moritz Wieprecht wurde in Volkseigentum überführt und unter dem Namen „Sachsenverlag, Zweigwerk Plauen“ nahm das Unternehmen Ende August 1945 die Arbeit wieder auf. Es brachte die „Volkszeitung“ heraus und erhielt später den Namen Sachsendruck. Zeitweise wurde auch die „Freie Presse“ dort produziert. Die Gebäude an der Rädelstraße wurden vor 2009 abgerissen.

Stadtteil-
Geschichten
Beschreibungen und historische Fakten zu einzelnen Stadtteilen Plauens.

Wo standen früher die Kinos?
Dokumentation und Erzählungen zur Geschichte von Plauens Filmtheatern.
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